domenica 30 settembre 2012

Lektüretips - zusammengefasst - Teil 2

Erste Zweifel, dass es vielleicht keine sooo gute Idee war, mit einen nicht gerade hitzebeständigen Sohn im August eine Tour über den Balkan zu planen, die kamen mir erst, als ich im ersten Teil unseres Urlaubes, am Gardasee, anfing, die Tigerfrau zu lesen. Als mich miomarito nämlich fragte, wie das Buch denn so sei, meinte ich, es sei hauptsächlich unerträglich heiss in dem Buch, jeder rauche ständig und alle tränken šljivovica




Obreht gilt ja als die Literatur-Entdeckung der letzten Jahre, gerade mal Mitte Zwanzig wird sie mit allem verglichen, was Rang und Namen in der Erzählkunst hat und ich muss sagen, okay, sie schreibt wirklich schön, interessant, poetisch und verwebt auf eine faszinierende Art Realität und Magie, Gegenwart und Vergangenheit, aber in solche hymnischen Begeisterungsstürme wie bei manch einer Rezension konnte ich jetzt nicht ausbrechen.

Ich finde das Buch sehr schön, es liest sich gut, es erinnert tatsächlich ein bisschen an Gabriel Garcia Marquez und es lohnt sich definitiv mal zu lesen, vor allem wenn man mal in der Ecke unterwegs ist.

Wobei Ecke schon schwierig ist, denn Obreht Geschichte spielt zwar in Ex-Jugoslawien, vermeidet aber alle Benennungen von Städten, Ländern und Bevölkerungsgruppen. Dieses Weglassen - was mich völlig fasziniert hat, in einem Land/Gebiet, wo das so wichtig zu sein scheint - lässt die Geschichte  allgemeingütiger wirken und betont dadurch aus noch einmal den Wahnsinn des Bürgerkrieges aus einer distanzierter Sicht - und da ist vermutlich auch ein bisschen der Haken an der Geschichte, Obrecht ist schon als Kind nach Amerika ausgewandert und als Mitteleuropäer schliesst man sich sehr schnell ihre Sicht an, die zum einen völlig fasziniert von den alten Märchen und Geschichte ist, gleichzeitig aber keinerlei Einblicke in die Südslawische Problematik mit sich bringt, sondern genauso wie "wir" völlig verwundert ist, dass ihr Land jetzt plötzlich geteilt ist, dass das Nachbardorf jetzt drüben in einem anderen Land ist, das geliebte Ferienhaus ebenso und wie man sich gegenseitig das Abschlachten der Söhne vorwirft. 

Zur Handlung: Ich-Erzählerin Natalia ist Ärztin und befindet sich gerade in einer Grenzregion, um Waisenkinder zu impfen, als sie die Nachricht erreicht, dass ihr geliebter Großvater - ebenfalls Arzt - fernab ihrer Heimatstadt einem ihr völlig unbekannten Ort gestorben ist. Von der Nachricht erschüttert beginnt Natalia eine nicht nur erzählerische Spurensuche durch die Vergangenheit und erklärt dem Leser: Alles, was nötig ist, um meinen Großvater zu verstehen, liegt zwischen zwei Geschichten: der von der Tigerfrau und der von dem Mann, der nicht sterben konnte. 



Definitiv und zurecht ein Klassiker der Weltliteratur - von dem ich bis vor kurzem keine Ahnung hatte *hüstel* -  ist Ivo Andrićs Die Brücke über die Drina. Im Nachhinein und mit zwei Pullis bibbernd in meinem heizungslosen Arbeitszimmer sitzend ärgere ich mich ein wenig, dass wir unsere Tour durch Bosnien und Herzegowina ausgerechnet vor der Etappe nach Višegrad abgebrochen haben. Aber damals erschien eine 2 Tages-Reise von Sarajevo aus weit in die Republika Srpska bis fast nach Serbien nur um bei 45°C eine blöde Brücke anzusehen als der absolute Wahnsinn. Jetzt, nachdem ich das Buch gelesen habe ... schade.






Mit der Brücke über die Drina hat Andrić der Stadt Višegrad, in der er aufwuchs, ein literarisches Denkmal geschaffen, das Seinesgleichen sucht. Andrić beginnt seine Geschichte mit dem Bau der Brücke im Jahre 1571 unter dem Janitscharen-Großwesir Sokollu Mehmed Pascha, der selbst aus der Gegend stammte, bei der sogenannten Knabenlese nach Istanbul verschleppt wurde und mit dem Bau der Brücke eine durchgehende Verbindung zwischen Istanbul und Sarajevo schuf, die auch als Verbindung zwischen Okzident und Orient gesehen wurde, und lässt sein Buch im Jahre 1914 enden, als beim Abzug der österreichisch-ungarischen Truppen drei der Brückenpfeiler gesprengt wurden.

Wie Andrić es schafft fast 400 Jahre Geschichte, wechselnde Besatzungen, große Umwälzungen und auch noch die Geschichte der kleinen Leute anhand der Geschichte der Brücke zu erzählen und es gleichzeitig dem Leser ermöglicht, eine Ahnung davon zu bekommen, warum diese Gegend seit Jahrhunderten keine Ruhe findet, ist wirklich lesenswert. (ich habe nachgeschlagen, ja der Mann hat auch Geschichte studiert ;-) - und für sein Literarisches Werk natürlich auch den Nobelpreis bekommen) Das Buch kein historischer Roman wie man ihn heute xfach vorgesetzt bekommt, es gibt keine Hauptfiguren und es wird nicht die Geschichte einer bestimmten Familie erzählt, sondern in kleinen Geschichten, Episoden und Anekdoten tatsächlich die Geschichte einer Brücke bzw. eigentlich der Stadt Višegrad. Wirklich große Literatur. Tiefe Bewunderung meinerseits, auch wegen der historischen Darstellung und dem differenzierten Bild von moslemischen Bosniaken, orthodoxen Serben, sephardischen und später aschkenasischen Juden, Sozialisten, Türken, Österreichern ("Schwaben"), Ungarn usw.  LESEN! (Blick ins Buch)

6 commenti:

Anonimo ha detto...

Das erste Buch interessiert mich.
(ich konnte immer wenig mit deinen Buchvorstellungen über Mittelalter und so anfangen, da mich dieses Thema überhaupt nicht interessiert).
Aber da ich von Garcia Marquez fast alle gelesen habe und seinen Schreibstil sehr mag, könnte "Die Tigerfrau" auch was für mich sein.
Vielen Dank für die Büchervorstellung.
LG
Beate

stadtfrau ha detto...

das erste buch ist sicher nichts für mich, aber "die brücke über die drina" werd ich mir sicher zulegen, hört sich sehr interessant an! (den titel habe ich schon mal gehört, aber weiter nichts darüber.)

Anonimo ha detto...

Vielen Dank für den zweiten Tipp ("Die Tigerfrau" habe ich schon gelesen). Mein Lieblingsroman aus der Region ist nach wie vor "Wie der Soldat das Grammofon reparierte" von Sasa Stanisic.

Saluti da Roma,
Sylvia.

IO ha detto...

Ich habe vorhin beim Schreiben gesehen, dass das Buch von Stanisic auch in Višegrad spielt - das muss ich jetzt natürlich auch mal lesen.

IchbingerneMigrantin :-) ha detto...

Ahhh, mein Serbenhrz schlägt höher, wenn ich deinen Reisebericht und deine Literaturtipps sehe.

Empfehlen von Andric kann ich auch Wesire und Konsuln. Aber du Böse, du warst nicht in Serbien ;-) im Sommer!

Liebe Grüße an die Familia, auch wenn ich sehr wenig blogtechnisch unterwegs war, deine Posts habe ich wie immer verschlungen.

IO ha detto...

Irgendwann geht's auch mal nach Serbien. Ganz sicher!
... wenn der Sohn nicht mehr mitkommt, oder wenn wir irgendwann mal nicht mehr immer nur im August wegfahren können ...