mercoledì 21 agosto 2013

Lektüretip

Kurz bevor wir ins Urlaub fuhren, entdeckte ich on der SZ (leider ist der Artikel nicht online) einen fast ganzseitigen Artikel über Patrick Leigh Fermor - von dem ich noch nie gehört hatte - der sich im Winter 1933 18jährig zu Fuß auf den Weg nach Konstantinopel machte. Moment, zu Fuß nach Istanbul? Da war doch was gewesen!  Und mit keinem einzigen Wort war da erwähnt worden, dass der Autor nicht der erste Engländer mit dieser verrückten Idee gewesen war. Also - muss ich lesen!

Während wir also am Gardasee weilten - was für uns zwar immer im Prinzip wunderschön ist (lassen wir die Nervensägen jetzt mal außen vor), aber ja doch auch immer bedeutet, dass Zeit und Geld nicht für ausgedehnten Abenteuer-Urlaub reichen ... also da bot es sich doch sehr an, per Lektüre in die Ferne zu schweifen. Und was soll ich sagen?! Eine Entdeckung! Ein ganz, ganz tolles Buch, Reisebeschreibung wie sie meiner Meinung nach sein sollte, informativ, wohl überlegt, reflektiert und sehr gespickt mit umfangreichen Wissen.






Fermor ist als Kind im ersten Weltkrieg von seiner in Indien lebenden Familie in England zurückgelassen worden und wuchs die ersten Jahre bei einer einfachen Bauernfamilie auf, später, nach der Rückkehr seiner Mutter, wurde er auf diverse Schulen geschickt von denen er regelmäßig flog und nach diversen Experimenten beschloss er, sich zum Militär zu melden. Während der Vorbereitungszeit in London wird ihm dann aber klar, dass er in Friedenszeiten (!) doch lieber nicht Soldat sein möchte und beschließt statt dessen zu Fuß nach Konstantinopel zu laufen (...).

Der gesamte Reisebericht umfasst drei Bände, wovon bisher erst zwei auf Deutsch erschienen sind, der dritte kommt aber (Gott sei Dank!) im September auf den Markt (bestehend aus dem Manuskript Fermors, an dem er bis zu seinem Tode vor zwei Jahren gearbeitet hat und seinem letzten Tagebuch)

Kurz gesagt, ich war hin und weg, jeden Abend - wenn die Kinder endlich im Bett waren - musste ich miomarito berichten, wo Fermor war, was er gesehen und erlebt hatte, wo er übernachtet hatte, welche Menschen er getroffen hatte usw. Im ersten Band wandert er von Rotterdam durch das "frische" Nazi-Deutschland über Wien und die Tschechoslowakei bis nach Ungarn. Während die Schilderungen der Niederlande quasi im Schnee versinken und sich viel auf die Malerei der Holländischen Schulen beziehen, sind die Wochen in Deutschland natürlich auch wegen des Zeitpunkts seiner Reise (1933/34) besonders interessant. Je weiter er in den Osten kommt, um so faszinierender wird es, von den Resten der k. und k.-Zeit zu lesen. Femor, dessen Vater für seine Dienste den Adelstitel verliehen bekommen hatte und der selbst später einen erhielt, übernachtet hier immer wieder bei völlig aus der Zeit zu fallen scheinenden Burg- und Schlossherren, die von der alten Zeit, Kaiser Franz Joseph und den Besuchen in England während ihrer Jugend schwärmen.
Dazwischen aber auch viele Schilderungen der einfachen Bauernfamilien, bei denen er übernachtet, seine Zeit in Wien, wo er sich als Porträtmaler über Wasser halten muss, weil seine 5 Pfund bei der Botschaft nicht eintreffen (er hatte vorher berechnet, wie weit er wohl in 4 Wochen vorankäme, und liess sich dann an die entsprechende Botschaft 5 Pfund schicken, um damit die nächsten 4 Wochen Reise finanzieren zu können). Und Landschaftsbeschreibungen und ganz, ganz viel Kultur ... kleine Warnung: der Autor deklamiert auf seinen Wanderungen gerne Gedichte auf Latein, beschreibt zum Beispiel das Kloster Melk komplett in musikalischen Formulierungen und skizziert mal kurz beim Überqueren der Donau die gesamte Völkerwanderung (ich weiß nicht, wie sich das Ganze liest, wenn einem das so gar nicht interessiert) - und das, obwohl der doch von allen Schulen flog ;-)

Man muss dazu sagen, dass Fermor das Ganze erst viel, viel später zu Papier gebracht hat. Er hat zwar während der Wanderung Tagebuch geführt (das erste wurde ihm allerdings in München in der Jugendherberge geklaut - der Herr war zu lange im Hofbräuhaus gewesen bzw. wurde - nach dem Genuss etlicher Maß bewusstlos geworden - von einem Handwerke mit der Schubkarre in dessen Werkstatt mitgenommen und am nächsten Morgen war sein in der Jugendherberge zurückgelassener Rucksack samt Pass und Geld und eben Tagebuch weg) - ich hoffe ein wenig, dass er sich das ganze Wissen vielleicht auch erst später angelesen hat ... im Verlauf des ersten Bandes zitiert er dann aber gegen Ende auch immer wieder direkt aus den noch vorhandenen Tagebüchern.

Die Sprache ist wunderbar (auf Englisch vermutlich noch wunderbarer, aber dazu reichen meine Nerven gerade nicht, denn einfach ist die Lektüre bestimmt nicht), Fermor ist in seiner Heimat .. nun ja .. er hat eigentlich zwei, England und Griechenland (mehr dazu in diesen ausführlichen Artikeln aus der Zeit: Schule der Langsamkeit und Der letzte Byzantiner) jedenfalls ist es mir ein Rätsel, warum er hier in Deutschland nicht auch viel gelesen und so bekannt ist. Ich kaufe mir jetzt jedenfalls ganz gespannt Band zwei, warte dann auf die Verffentlichung des dritten Bandes und habe mit miomarito schon Pläne geschmiedet, wie man mit dem Fahrrad an der Donau zumindest einen Teil der Reise nachmachen könnte.

Kurz gesagt: LESEN!

4 commenti:

ste ha detto...

super! zwei Fliegen mit einer Klappe o "due piccioni con una fava" ;) : Geburtstagsgeschenk für Mann und für selbst! Yepp. danke ;)

Karen ha detto...

Ich habe den Artikel in der SZ auch gelesen und zuerst gedacht: Da war doch mal was? Hast du nicht da mal drüber geschrieben? ;-)

einfachich ha detto...

es ist natürlich nicht mal die hälfte der strecke und auch nicht zu fuss, aber erst vor wenigen tagen hatte ich besuch von etlichen mädels die von passau nach wien (das jüngste war 13) die donau entlang fuhren. mit dem fahrrad allerdings. ich denke wenn man die möglichkeit hat (zeit), sind diese reisen eine so großartige sache. man trifft menschen, stößt oft auf großzügigkeit anderer und an eigene grenzen... ich träume davon :)

IO ha detto...

@ste: gern geschehen! Erzähl dann mal kurz, on es Euch gefallen hat!

@Karen: ich dachte auch erst: hä?! Wie? Noch einer?! ;-)

@einfach: Ich auch - also ich träume auch davon.

Ich habe gestern den zweiten Band gelesen. Komplett *seufzt*